Fünf Minuten Vollgas reichen nicht gegen Vechta
Die BG Illertal-Weißenhorn muss am Dienstag eine Zusatzschicht einlegen: Nach der 67:74 Heimniederlage am Samstagnachmittag gegen den SC Rasta Vechta geht es für die Panthers am Dienstag zum zweiten Mal innerhalb eineinhalb Wochen wieder nach Vechta (Rasta Dome Vechta, 20.00 Uhr), wo im dritten Spiel der ersten Play-off Runde die Entscheidung über das Weiterkommen ins Play-off Viertelfinale fällt. Eine durchaus vermeidbare Reise für die Fuggerstädter, die es in der Kuhberghalle nicht schafften, ein probates Mittel gegen die Zonenverteidigung der Niedersachsen zu finden und insgesamt zu ideenlos gegen einen wahrlich nicht übermächtigen Gegner agierten.
Stark angefangen, dann stark nachgelassen und am Ende wieder das Tempo angezogen – so lässt sich der grobe Spielverlauf aus Weißenhorner Sicht wohl am besten beschreiben. Trotz eines Traumstarts mit drei Dreiern in Folge gaben die Panthers insbesondere im zweiten und dritten Viertel das Spiel völlig aus der Hand, Vechta dagegen konnte sich im Laufe des Spiels ein fettes Punktepolster erarbeiten und die Partie souverän für sich entscheiden. „Nach unserem guten Anfang dachten wir, es läuft wie im Hinspiel“, sagte Trainer Uwe Sauer, der auch mit dem Einsatzwillen seines Teams nicht einverstanden sein konnte: „Wir haben für unsere Verhältnisse zu wenig gefightet. In einem solchen Spiel muss man einfach 40 Minuten Vollgas geben.“ Vorstand Jochen Seif war ebenfalls alles andere als begeistert vom Weißenhorner Auftritt: „Wenn wir die letzten fünf Minuten ausklammern, war es im Prinzip eine Klatsche für uns. Wir sind extrem ideenlos aufgetreten und konnten die beiden Amerikaner Eric Reid und Christopher Thompson einfach nicht stoppen.“ Deutlich wurde die Überlegenheit der Rastas unter anderem auf der Centerposition, wo der Weißenhorner Big Man Michael Wenzl keinen Stich gegen seine niedersächsischen Kollegen setzen konnte. Jochen Seif meinte zur Leistung von Wenzl, der in der gesamten Partie auf lediglich zwei Rebounds und zwei Punkte kam: „Wir haben heute wieder einmal ohne einem richtigen Center spielen müssen, das hat uns das Leben natürlich zusätzlich erschwert.“ Ein weiterer Faktor war mit Sicherheit der Zeitpunkt sowie der Austragungsort des Spiels, von einem Hexenkessel konnte in der spärlich besetzten Kuhberghalle keine Rede sein. Jochen Seif: „Aufgrund der großen Halle kam nie wirklich Stimmung auf, außerdem war dieser Termin ein wirtschaftlicher Supergau für uns.“
Philip Vojkovic und Marcel Heberlein waren die Männer der ersten Minuten bei den Panthers, sie brachten die Weißenhorner aus der Distanz mit 9:1 in Führung. Der Beginn war vielversprechend, die BGIW traf beinahe jeden Wurf und ließ den Gegner nicht ins Spiel kommen. Das änderte sich jedoch sehr bald, durch sechs Punkte von Topscorer Eric Reid, der über weite Teile der Partie eine One-Man-Show hinlegte, kam Vechta auf Tuchfühlung an die Panthers heran. Diese konnten zwar im ersten Viertel noch die Oberhand behalten, schafften es aber nicht mehr, sich wie in den Anfangsminuten vom Gegner abzusetzen. Mit einem knappen 21:19 Vorsprung ging es in das zweite Viertel, in welchem die Gäste bereits nach 52 Sekunden durch einen Dreier von Eric Reid die Führung übernehmen konnten. Der zweite Spielabschnitt gehörte klar den Rastas (22:13 für Vechta), die von der löchrigen Weißenhorner Verteidigung profitierten und zur Halbzeit mit 41:34 in Front lagen.
Auch im dritten Spielabschnitt gelang es der BG Illertal-Weißenhorn nicht, sich aus dem Spiel heraus erfolgsversprechende Abschlussmöglichkeiten zu erarbeiten, stattdessen wurde von der Dreierlinie geballert, was das Zeug hielt. Nur die wenigsten Würfe landeten dabei in den Korbmaschen, auf der anderen Seite konnte Vechta den Vorsprung bis auf 13 Punkte ausbauen. 46:56 lagen die Panthers vor dem letzten Viertel hinten, im zweiten und dritten Viertel kamen die Fuggerstädter zusammen nur auf 25 Punkte, viel zu wenig, um Vechta ernsthaft in Gefahr zu bringen. Erst in den letzten fünf Spielminuten wachten die Weißenhorner wieder auf und versuchten nun, den Rückstand noch einmal zu verkürzen. Marcel Heberlein brachte die Panthers 44 Sekunden vor der Schlusssirene bis auf fünf Punkte an die Gäste heran (67:72), jetzt jedoch rannte die Zeit davon und die letzten Versuche, das Blatt zu wenden, blieben erfolglos.
Punkteverteilung:
BG Illertal-Weißenhorn:
Marcel Heberlein (21 P.), Florian Möbius (12 P.), Mario Simic (12 P.), Nikola Stevanovic (8 P.), Ed Williams (5 P.), Deon McDuffie (3 P.), Philip Vojkovic (3 P.), Michael Wenzl (2 P.), Nemanja Kekic (1 P.), Brian Butler, Tobias Waitzinger
Topscorer SC Rasta Vechta:
Eric Reid (29 P.), Christopher Thompson (20 P.), Andreas Kronhardt (11 P.)
Zweiter Matchball am Dienstag
Trotz der Heimniederlage machen sich die Weißenhorner nach wie vor berechtigte Hoffnungen auf ein Weiterkommen ins Play-off Viertelfinale, welches direkt am nächsten Wochenende beginnen würde. Mut macht den Verantwortlichen insbesondere der 66:60 Auswärtssieg vor einer Woche, der verdeutlichte, dass die Panthers genug Potenzial besitzen, um in Vechta gewinnen zu können. Trainer Uwe Sauer: „Wir müssen uns vor Vechta nicht verstecken und werden dort sicher nicht die Opferrolle einnehmen.“ Da die Partie schon am Dienstag über die Bühne gehen wird, bleibt für Sauer und sein Team kaum Zeit für eine professionelle Spielvorbereitung: „Wir werden am Montag unsere Niederlage analysieren und eine lockere Trainingseinheit einlegen. Am Dienstagmorgen müssen wir ja bereits nach Niedersachsen aufbrechen.“ Anreisen wird die BG Illertal-Weißenhorn diesmal übrigens mit einem Bus des Unternehmens Brandner aus Babenhausen, welches die Panthers zu Topkonditionen nach Vechta und wieder zurück bringen wird. Vorstand Jochen Seif fordert vor dem wichtigsten Spiel der Play-off Serie: „Wir müssen uns in Vechta gehörig zusammenreißen und mit einem komplett anderen Gesicht auftreten. Wer in den Play-offs nicht kämpft, der hat schon verloren.“ Der Einsatz würde sich auf jeden Fall lohnen, denn im Falle eines Sieges bekämen es die Weißenhorner im Viertelfinale mit der BG Stadtbergen/Leitershofen zu tun. Nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Weißenhorner Fans, hätte dieses Derby eine besondere Brisanz, denn nach den beiden Niederlagen in der regulären Saison könnten die Panthers dann in den Play-offs die Verhältnisse wieder zurechtrücken.
Bericht: Matthias Sauter



